Das neue Frühlingssemster an der ETH steht kurz bevor und damit verbunden die übliche Rechnung über CHF 644.- für die Semestergebühren. Zur selben Zeit konnte man im Politblog vom 1. Februar 2013 des Tagesanzeigers den Blogartikel von CVP Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach (FR) über die geplante Erhöhung der Studiengebühren an den beiden ETH’s lesen. Grund genug für mich um als Student eben dieser Hochschule zur Erhöhung Stellung zu nehmen.

Die geplante Verdoppelung der Studiengebühren soll bis 2017 vollzogen sein, so zumindest plant es der ETH-Rat. Dass dies bei den Studierenden nur auf wenig Gegenliebe stösst, ist naheliegend. Dennoch gibt es unter den Studierenden einen kleinen Anteil, der für die geplante Erhöhung ist. Zu diesem Anteil zähle auch ich.

Obwohl eine Erhöhung der Studiengebühren mich selbst trifft, erachte ich sie als unausweichlich. Die geplante Verdoppelung ist dabei immer noch viel zu niedrig. Betrachtet man den Gegenwert, den man mit einem abgeschlossenen ETH-Studium erhält, sind die summierten Gebühren über die Jahre äusserst niedrig. Von einer liberalen Grundhaltung ausgehend, ist es für mich unverständlich, dass Studierende für die von ihnen selbst verursachten Kosten nicht aufkommen sollen. Leider hat auch hier der Sozialismus Einzug gehalten: Fordern und selbst profitieren, andere dafür zahlen lassen. Noch unverständlicher wird es bei ausländischen Studierenden. Diese bezahlen gemäss ETH-Rektorat dieselben Semestergebühren. Somit subventioniert der Schweizer Steuerzahler auch noch ausländische Studierende. Es ist also höchst erfreulich, dass sich in dieser Hinsicht etwas bewegen soll. Die Wohlfühlpolitiker der Linken sehen in diesem Schritt eine Schwächung der Chancengleichheit. Korrekterweise sollten neben dem massiven Erhöhen der Studiengebühren die Aufnahme eines zinslosen Darlehens erleichtert werden. Damit müsste jeder Studierende für sich selbst entscheiden, ob ihm ein Abschluss an der ETH diesen Betrag wert ist.

Eine solche Regelung würde wenigstens in einer angemessenen Weise dem Verursacherprinzip Rechnung tragen. Die Massnahme hätte einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Zukünftige Studenten würden es sich zweimal überlegen, ob sie für ein Studium bereit sind und den entsprechenden Aufwand leisten wollen.

Zum Schluss erlaube ich mir noch einen Blick über den Tellerrand: Vergleichen wir die ETH mit anderen europäischen Universitäten so befindet sie sich auf den vorderen Rängen, wenn nicht sogar an deren Spitze (je nach Ranking). Für einen vergleichbaren Abschluss müsste man wohl ein Studium in Grossbritannien auf sich nehmen. Gemäss der University of Cambridge müssen Studierende (undergraduate) mit jährlichen Kosten von GBP 9’000.- (ca. CHF 13’500, Stand 8. Feb 2013)  rechnen, was bei weitem unsere Studiengebühren übersteigt. Dabei ist besonders interessant, dass die jeweils geliehenen Beträge erst ab einem Jahreseinkommen von GBP 21’000.- (ca. CHF 31’500.-, Stand 8. Feb 2013) zurück bezahlt werden müssen. Da eine reine Erhöhung ohne solche abfedernden Massnahmen wohl keine Chancen hierzulande hätte, wäre diese Variante prüfenswert, da sie wenigstens eine deutlichere Verbesserung zum Status Quo wäre.

Persönlich finde ich es also erfreulich, dass der ETH-Rat diese Erhöhung einführen will. Ich erachte dies als einen Schritt in die richtige Richtung ohne dabei bereits am Ende angelangt zu sein. Aus liberaler Sicht wäre eine massivere Erhöhung mit der Einführung von leicht erhältlichen zinslosen Darlehen wünschenswert.

Nicolas,

Vizepräsident

8. Februar 2013