Die Debatte um die BVK-Vorlage hat die Jungfreisinnigen in den letzten Tagen und Wochen ins Gespräch gebracht. Neben Diskussionen zu konkreten Sachthemen wurde vielfach auch über Jungparteien im Allgemeinen gesprochen. Was sind sie, was sollen sie tun und womit sollen sie sich beschäftigen?

Es scheint eine nicht unverbreitete Meinung zu sein, dass eine Jungpartei sich primär mit Themen befassen soll, welche die Generation, die gerade jetzt jung ist gerade jetzt direkt betreffen. Ich bin der Ansicht, dass dieses Verständnis einer Jungpartei ihr nicht ganz gerecht wird. Selbstverständlich kann und soll eine Jungpartei auch klassische „junge“ Themen aufgreifen. Dies heisst aber nicht, dass sie sich darauf beschränken sollte.

Zum einen deutet der Begriff „Jungpartei“ nicht primär darauf hin, dass vorwiegend „junge Themen“ behandelt werden. Eher zeigt er an, dass es sich um eine Partei handelt, die aus jungen Mitgliedern besteht. Weshalb sollte sie sich bloss deswegen auf bestimmte Bereiche beschränken? Vielmehr ist eine zusätzliche Sichtweise doch eine Bereicherung. Gerade für die Argumente einer Jungpartei trifft dies sehr stark zu, da diese im Vergleich zu den Positionen „älterer“ Parteien häufig ideologischer geprägt sind. Zwar wird eine solche Haltung häufig und zu Unrecht als realitätsfremd oder unerfahren abgetan. Man muss sich aber gerade als Liberaler auch offen für neue oder unkonventionelle Positionen zeigen und bereit sein, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Zum anderen werden früher oder später die meisten jungen Leute von heutigen Massnahmen betroffen sein. Fragen aus der aktuellen Politik sind damit über kurz oder lang für die meisten Jungen von Relevanz. So verhält es sich im Übrigen auch mit unserer Kirchensteuerinitiative, die oft als Paradebeispiel eines angeblich nicht-jugendlichen Themas herhalten musste: Die Unternehmer von morgen, die mit ihrer Kapitalgesellschaft Kirchensteuern bezahlen müssen, sind heute junge Männer und Frauen. Ebenso diejenigen, welche dereinst über Jahre akkumulierte Schulden begleichen müssen. Und manchmal entfalten viele Beschlüsse ihre langfristige Wirkung sogar erst nach Jahren, so dass sie überhaupt erst spätere Generationen richtig betreffen.

Gerade deshalb ist es fundamental, dass sich auch die Personen äussern, welche noch beinahe ihr ganzes Leben vor sich haben und damit die Auswirkungen der heutigen Politik am längsten spüren werden. Die Jungparteien sollten sich daher nicht auf bestimmte Themen beschränken oder auf Nebenschauplätze verweisen lassen sondern im Gegenteil weiterhin unbeirrt ihre eigene Meinung vertreten.

Andreas Puccio
Präsident

21. Januar 2013